Ironman Hawaii Weltmeisterschaft 2017 – Zwischen Himmel und Hölle – Mythos Hawaii

So, wieder daheim angekommen, habe ich jetzt endlich die Zeit alles, was ich am Samstag, den 14.10.2017 erlebt habe, für euch niederzuschreiben. Eins kann ich vorne weg sagen: Es wird ein langer Bericht, da ich wirklich jedes Detail mit Euch teilen möchte, damit jeder genau nachfühlen kann, wie ich diesen Tag erlebt habe. Also los geht’s:

Dass ich den Bericht damit anfangen würde, mitzuteilen, dass ich extrem gut geschlafen habe in der Nacht vor der Weltmeisterschaft, hätte ich auch niemals gedacht. Aber im Gegensatz zu den bisherigen Ironman-Rennen war dies vor meinem wohl größten Rennen der Fall. Vielleicht auch weil ich so gut wie möglich versucht habe mir den Druck zu nehmen und den Rat von allen befolgen wollte, mit denen ich vor dem Rennen gesprochen habe, die mich lustigerweise durch die ARD Doku vor Ort erkannt haben. Der Rat bzw. die Aussagen lauteten ungefähr wie folgt: Wenn man es bis hierhin nach Hawaii geschafft hat, hat man eigentlich schon ALLES erreicht! Man hat sich das ganze Jahr über hierfür gequält! Dieses Rennen macht man nicht für irgendwelche Zeiten und oder Platzierungen, dieses Rennen macht man für die Seele! Weiter haben die meisten gesagt, ich soll es so gut wie möglich genießen und mich aus dem eben genannten Grund nicht allzu sehr schinden!

Der Wecker hat „wie immer“ um 03:30 Uhr geklingelt, es wurde kurz gefrühstückt, bevor es auch schon ans Rennanzug anziehen, Swimsuit herrichten und alle restlichen wichtigen Sachen einpacken ging. Um kurz nach vier sind wir dann alle gemeinsam zur Wechselzone an den Pier von Kailua-Kona, die auch gleichzeitig den Startbereich darstellt, gefahren. Pünktlich um viertel vor fünf wurde dann die Bodymarking Area und auch die Wechselzone unter einem riesigen Applaus aller freiwilligen Helfer für die Athleten geöffnet. Spätestens hier habe ich eine ziemliche Gänsehaut bekommen: Man spürt, dass hier dieser „Mythos Hawaii“ in der Luft liegt und der Tag ein ganz besonderer wird!

Der Ablauf am Rennmorgen ist auch ein wenig anders als bei den sonstigen europäischen Ironman-Rennen, die ich schon miterlebt habe. Man durchläuft hier mehrere Stationen. In Station eins werden die Arme mit reinem Alkohol gereinigt, bevor man sich dann bei Station zwei sein Startnummern-Tattoo abholt und weiter zu Station drei geht, an welcher ein Helfer das Tattoo auf beiden Armen anbringt. Ist das erledigt, geht es weiter zu einer Station, die mich etwas überrascht hat. Man wird hier nämlich gewogen, und das Gewicht wird genau notiert. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, hat das etwas mit der Erlaubnis zum Legen einer Infusion nach dem Rennen zu tun. Diese darf nämlich erst ab einem bestimmten prozentual errechneten Körpergewichtsverlust gelegt werden. Nachdem das alles erledigt ist, kann man endlich zu seinem Rad. Der Weg zur Wechselzone wird hierbei von Helfern mit Ironman LED Leuchtschildern ausgeleuchtet, was auch eine feierliche Stimmung vermittelt. Am Rad habe ich dann Vorder- und Hinterrad aufgepumpt. Bei einigen, überambitionierten Pumpern hat man es wieder „Knallen“ gehört, worauf es meistens einen Applaus von allen umliegenden Athleten gab. Aber bevor man hier in Panik verfallen kann, eilt auch schon ein Volunteer herbei und kümmert sich um den Teilnehmer und sein Problem! Man könnte fast sagen, dass man als Athlet hier fast schon von den ganzen freiwilligen Helfern richtig verhätschelt wird. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich nur zu einem Volunteer gehen müssen, er hätte mir mein Rad aufgepumpt, und ich hätte es nicht selber machen müssen…Als alle Vorbereitungen in der Wechselzone abgeschlossen und das Rad fertig präpariert war, bin ich nochmal schnell aus der Wechselzone vor den Eingang des Race-Hotels geeilt, um meinen Supportern Tschüss zu sagen und mir die letzten guten Zusprüche abzuholen. Um kurz vor 6 Uhr habe ich mir dann wieder deutlich nervöser meinen Weg zurück in den Startbereich der Wechselzone gebahnt. Dort angekommen, hieß es warten und zwar über eine Stunde. Wie viele andere Athleten habe ich mir einen ruhigen Platz an der Absperrung zu den Wechselbeuteln gesucht und mir eingeredet, dass das nur ein ganz normaler weiterer Ironman ist! Nicht förderlich dafür waren die ganzen Helikopter, die die ganze Zeit über die Wechselzone geflogen sind und die ständigen mir irgendwie drohend vorkommenden Zeitansagen des Moderators. Die Zeit verging dann zum Glück doch recht schnell, da viele deutsche Athleten, die die Dokumentation gesehen hatten, auf mich zu kamen, mir viel Glück wünschten und wir uns kurz austauschten. Für die männlichen Profis fiel der Startschuss zur WM um 06:35 Uhr, die weiblichen Profis durften fünf Minuten später starten um 06:40 Uhr. Nach den ersten zwei Kanonenschüssen, die ich sonst ja nur aus dem Fernsehen kannte, war ich ziemlich eingeschüchtert…An meinen Gedankengängen möchte ich euch natürlich an dieser Stelle auch teilhaben lassen: „Oh mein Gott! Was mache ich hier?! Was soll das alles?! Wieso lassen mich immer alle ins offene Messer laufen? Was habe ich eigentlich für Freunde,Bekannte und Verwandte? Wieso hat mich niemand gewarnt oder zur Seite genommen und mich daran erinnert, wie sehr ich beim letzten Ironman gelitten habe! Ich muss dringend überdenken mit wem ich so befreundet bin, und ob sie wirklich immer nur mein Bestes wollen oder vielleicht wollen sie mich nur leiden sehen!“ Um

7 Uhr und 5 Minuten fiel der Startschuss der männlichen Age-Grouper. Und kurz darauf durften auch schon wir Frauen ins Wasser! Endlich! Diese Warterei macht einen echt mürbe so kurz vor dem Rennen. Deutlich anstrengender war das Warten vor der imaginären Wasserstartlinie, da hier schon die Krallen um die besten Plätze bei den meisten ausgefahren wurden und ich einige Ellenbogen kassiert habe. Ich habe den Fehler gemacht und mich anfangs ziemlich weit rechts einsortiert, was ich dann relativ schnell bereute. Aber der Reihe nach: Plötzlich hören die Paddler, die die Startlinie markieren, auf die Startlinie entlang zupaddeln und richten ihre Bretter nach vorne. Ich höre meinen Pulsschlag in meinen Ohren und überlege kurz wie überhaupt nochmal Kraulschwimmen geht, bevor auch schon der Kanonenschlag ertönt, und ich machen darf, was ich liebe und wofür ich ein ganzes Jahr kontinuierlich trainiert habe. Der zweite „längste Tag des Jahres“ hat für mich begonnen! Ab jetzt heißt es fast den ganzen Tag isoliert zu sein und sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Nach einem weiteren ziemlichen Kinnhaken hatte ich nach circa 500 Metern das rechts innen Schwimmen so dermaßen satt, dass ich mir meinen Weg nach links außen gebahnt habe, wo ich dann kontinuierlich aber mit den Kräften haushaltend vor mich hingeschwommen bin. Kurz vor dem Wendepunkt habe ich dann auch die ersten männlichen Age-Grouper „überschwommen“, was mir den Anreiz gegeben hat, noch mehr Männer „einzusammeln“. Insgesamt ist meine Schwimmzeit von 1h08min01sek. nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte, aber ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt noch energiegeladen. Und was sind schon 3-4 kassierte Minuten beim Schwimmen, die kann man theoretisch locker beim Radfahren oder Laufen wieder reinholen!

Da ich in Wettkämpfen immer ohne Uhr schwimme, hatte ich zu dem Zeitpunkt noch keinen Überblick, welche Zeit ich beim Schwimmen erreicht hatte. Kurz mit Süßwasser alles abgewaschen und aus dem Swimsuit rausgeschlüpft ging es auch schon mit dem Rad aus der Wechselzone. Die Radstrecke führt zuerst in einem Rundparcours durch Kailua-Kona und führt dann den Kuakini Highway hinauf. Hier habe ich mich das erste Mal etwas kraftlos gefühlt.  Weiter fand ich es mental ziemlich anstrengend die zwar aufs gesamte gesehen kurze Strecke in die „falsche“ Richtung zu fahren, da die restliche Radstrecke ja in der komplett anderen Richtung am
Queen K Highway liegt. Zwei Mal habe ich hier angehalten, weil ich mir sicher war einen Platten hinten zu haben. Im Nachhinein kann ich es mir nur damit erklären, dass sich der Asphalt einfach seltsam angefühlt hat. (Für nicht Triathleten wahrscheinlich schwer nachvollziehbar 😉 ) Dann auf dem Queen K Highway ging es ziemlich ab, und es rollte endlich. Trotzdem habe ich hier auch auf Anraten aller Kona-erfahrenen Athleten versucht „Körner“ zu sparen für den Rückweg, die ich auch dringend brauchen sollte. Im Gegensatz zu Frankfurt habe ich hier wirklich extrem auf das äußere Herunterkühlen des Körpers geachtet. Was schade ist, ich aber schon anhand der Bilder aus den letzten Jahren befürchtet hatte, ist das Fahren im Pulk bzw. das teilweise extreme Lutschen einiger Athleten.( die wenigen Marshalls , die unterwegs waren, haben dies nicht geahndet!) So viel zu der „I AM TRUE“- Kampagne von Ironman! Die Zeit am Hinweg nach Hawi verging relativ schnell. Der Anstieg vom Hafen unten nach Hawi hoch hat mich zwar irgendwie doch mehr mitgenommen als geplant, cool war aber, dass einem zu diesem Zeitpunkt schon die ganzen Profi-Athleten entgegengekommen sind. Sebastian Kienle lag zu dem Zeitpunkt vorne beim Radfahren und zu meiner Überraschung führte bei den Frauen meine persönliche Favoritin, Lucy Charles, immer noch. Daniela Ryf kam erst mit einigem Abstand dahinter. Am Hawi-Berg hoch und auch hinunter kamen natürlich auch die berühmten und berüchtigten Winde dort vor Ort dazu. Hinunter waren sie teilweise so stark, dass ich zu treten aufgehört und ängstlich beide Beine ganz fest an den Rahmen gedrückt habe, um insgesamt eine stabilere Position zu haben. Zum restlichen Rückweg bleibt nur zu sagen, dass – wie üblich bei den später startenden Frauen- die Gegenwinde deutlich zunehmen und ich ab dann nicht mehr sonderlich gut vom Fleck gekommen bin – meine Radzeit hat dadurch ziemlich „gelitten“! Irgendwie habe ich es aber doch zurück nach Kona geschafft. Meine mentale Stärke war zu diesem Zeitpunkt schon sehr in Mitleidenschaft gezogen und nicht wie sonst erst zu einem späteren Zeitpunkt beim Marathon. Trotzdem konnte ich super glücklich nach einer Radzeit von fast glatten 6 Stunden das Rad an einen Volunteer übergeben und mich für den bevorstehenden Marathon in der prallen Sonne wappnen.

Die ersten Kilometer verflogen wie im Flug, womit ich nicht gerechnet hätte. Ich bin beim Laufen meistens ziemlich in einem bzw. in meinem Tunnel. So habe ich auch zu spät realisiert, dass Kienle kurz vor der Hualalai-Road Abbiegung mit Kameramotorrad an mir vorbeigelaufen ist. Der eine oder andere hat mich daher in der ZDF Liveübertragung erkannt. Der Teil am Ali’i Drive lief echt gut. Ich war trotz elender Hitze wie beflügelt, bin aber trotzdem ganz nach Plan die ersten zehn Minuten ruhiger angegangen, um dann langsam meinen Pace zu finden. An jeder Verpflegungsstation habe ich mir Eis in die Cappy schütten lassen und mich ordentlich verpflegt, bevor es dann weiter zur nächsten „Kühlungsstation“ ging. Bei Lufttemperaturen zu dem Zeitpunkt von um die 39 Grad Celsius hat das einfach oberste Priorität. Ich hatte gehofft, dass es dann vor dem Anstieg an der Palani-Road noch eine Verpflegungsstation geben würde, da es ja hieß, dass eigentlich jede Meile eine kommen sollte. Pech gehabt!  Es kam aber keine! Die Luft kochte und brannte auf der Haut und in der Lunge. Zu diesem Zeitpunkt merkte ich deutlich wie mein Körper zu überhitzen drohte. Vor mich hin schimpfend und fluchend ging ich also die Palani-Road hoch- wie die meisten anderen Athleten zu diesem Zeitpunkt auch. Keine ordentliche Verpflegungsstation am Anfang eines solchen Horroranstiegs ist wirklich ein Unding!!! Oben angekommen riss ich mich dann zusammen und ging wieder zum Laufen über. Auf dem Queen K Highway lässt auch das Hannes Hawaii-Tours „Stimmungsnest“ nicht lange auf sich warten, bevor es dann auch schon auf die extrem einsame neun Kilometer lange Reise über die Autobahn hin zum Natural Energy Lab geht. Für alle, die nicht so vertraut mit der Laufstrecke in Hawaii sind, möchte ich kurz genauer schildern, wie man sich das vorzustellen hat: Du kommst platt und entkräftet von dem Anstieg hoch auf die Autobahn und siehst eine endlose, weite hügelige, nie endend wollende Strecke. Der Asphalt flimmert, die Hitze steht und du siehst neben den Lavafeldern am Straßenrand nur die gequälten Gesichter der anderen Athleten, die dir entgegenkommen bzw. die du eventuell überholst oder die dich überholen. Bis zu dem Punkt dachte ich, dass ich das Schlimmste schon hinter mir hatte…Pustekuchen!

Hier geht der wahre Kampf erst los und zwar der im Kopf! Laufstreckenmäßig liegt dieser Punkt circa bei km 23 des Marathons. Völlig isoliert wird der Athlet hier mit seinen Gedanken und Problemen allein gelassen. Leider habe ich auch hier angefangen den Kampf gegen meinen Kopf zu verlieren. Der Wille konnte sich einfach nicht mehr durchsetzen, der innere Schweinehund setzte sich durch, und ich bin längere Strecken gegangen. Das war für mich auch einer der Punkte, an dem ich diesen „Mythos Hawaii“ sehr stark gespürt habe. Ich war einfach nur extrem emotional fertig. Mein Kreislauf war zu diesem Zeitpunkt leider auch nicht mehr der Fitteste, weshalb das Gehen teilweise auch, selbst wenn der Kopf gewollt hätte, fast nicht mehr möglich war. Nachdem aufgeben nie eine Option für mich ist, habe ich mich weitergekämpft, Fuß vor Fuß, Schritt für Schritt bis zu der „Cosco-Supermarkt“ Stelle, wo sich auch meine Unterstützer positioniert hatten. Ich weiß noch, wie ich mich super zusammengerissen habe und meinen Eltern gesagt habe, dass alles okay ist. Dass ich das zu Ende bringe, aber derzeit an Laufen leider nicht zu denken ist. Emotional und physisch extrem angeschlagen weiß ich auch noch, wie ich halb unter Tränen -als meine Mutter wieder umdrehen wollte und mir vorher mitgeteilt hatte, dass sie dann zur Finishline fahren wollen- gesagt habe oder eher gebettelt habe, dass sie da bleiben sollen! Dass ich nicht weiß, ob ich die restliche Strecke-vor allem das gefürchtete luft-und windlose Energy Lab- durchstehe! Besonders mit dem Wissen, dass sie danach nicht noch einmal auf dem Highway auf mich warten würden. Wahnsinn, hätte mir einer gesagt, dass ich so ein emotionales Wrack bei km 28 sein würde, ich hätte gelacht und gesagt, dass weinen so überhaupt nicht meins und total peinlich ist. Aber das ist es eben auch, was die Veranstaltung Ironman ausmacht und was mich daran so fasziniert: diese Grenzerfahrungen, körperlich, psychisch und eben auch auf emotionaler Ebene! Angekommen im Energy Lab war ich heilfroh, dass zumindest halbwegs ein Ende in Sicht war. Der Teil im Energy Lab ist circa 7km lang. Wenn man dort rauskommt, hat man noch circa 10km zu absolvieren, bevor das Rennen dann auch schon vorbei ist! 😉 17km klang wie eine absehbare Distanz! Davon motiviert konnte ich größere Strecken im Energy Lab laufen – trotz zu dem Zeitpunkt schon länger auftretender Knieschmerzen auf beiden Seiten. Zu der Uhrzeit zu der ich im Energy Lab angekommen bin, darf man sich die Kulisse so vorstellen: einzelne Athleten laufen, gehen bzw. schleppen sich rein. Wieder andere kommen gerade heraus und haben dieses gewisse Lächeln auf den Lippen, weil jeder weiß, dass man es schaffen kann und hoffentlich auch wird, und es ab dann nur noch 10km zu der wohl sagenumwobendsten Finishline überhaupt sind! Weiter führt die Eingangsstraße, bevor sie den Rechtsknick macht, direkt auf das Meer zu, und ich durfte direkt auf den Sonnenuntergang zu laufen. Spektakuläre Bilder, die sich wohl (hoffentlich) für immer auf meine Netzhaut eingebrannt haben! Die Luft wird zu diesem Zeitpunkt deutlich „kühler“ (jetzt nur noch 30 Grad!). Den Teil im Energy Lab habe ich als extrem entspannt und angenehm empfunden. Wieder am Highway angekommen, wartete mein Papa auf mich. Er begleitete mich in Flip-Flops auf dem Schotterweg neben der Laufstrecke solange bis ich mich wieder dazu durchringen konnte einen Kilometer humpelnd zu laufen. Eine weitere mentale Hürde birgt dieser Highway auch für alle „langsameren“ Athleten: Er ist ab circa 18h30 stockdunkel!!! Der floreszierende Lichtring, den man beim Verlassen des Energy Lab um den Hals gehängt bekommt, ist da leider auch keine große Hilfe. Man sieht wirklich die Hand vor Augen nicht. Stellt euch einfach eine leere weite Autobahn ohne jegliches Licht vor! (An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich es extrem unverantwortlich vom Veranstalter finde dort keine Lichter aufzustellen! Sollte ein Athlet unbemerkt kollabieren und rechts in einen Graben fallen, bliebe das einfach unbemerkt, da man ja nichts sieht!)

Auch ich habe öfters den Drang verspürt, mich einfach in einen Seitengraben zu legen und mich meinem zu dem Zeitpunkt für mich unausweichlichen Schicksal zu stellen und eine Runde zu schlafen. 😉 Im Wissen , dass ich meine Eltern ja nicht so lange warten lassen und auch nicht enttäuschen wollte, hab ich diesem Drang nicht nachgegeben. Der weitere Verlauf der restlichen Marathonstrecke war ein Misch aus versuchtem schnellen Humpeln und humpelndem Laufen. Den Typ an der Verpflegungsstation, der mir sagte, es seien „nur“ noch drei Kilometer bis zum Ziel, hätte ich am liebsten erwürgt! „Nur noch“, der hat gut reden…Und dann habe ich die Abbiegung runter zur Palani-Road gesehen…von dort sind es nur noch circa 1,3km zum Ziel. Das waren wohl die schnellsten 1,3km in meiner bisherigen gesamten Karriere. Es ist wahrscheinlich schwierig für andere sich das vorzustellen, aber in diesem Stadium setzt der Körper ungeahnte Restenergien frei. Adrenalin und Euphorie beflügeln einen zusätzlich. Ich bin wie eine Irre die „Palani“ runter gesprintet, hab mir ein letztes Mal Wasser über meinen glührenden Kopf und Körper geschüttet, auch um Tränen und Schweiß so gut wie möglich wegzuspülen.Nun nur noch die Hualalai-Road hinunter und dann durfte ich rechts auf den Ali’i Drive abbiegen. (Notiz: Ich muss mich gerade ziemlich zusammenreißen um bei dem Gedanken daran nicht wieder anzufangen zu weinen!)

Unglaublich, alles flog an mir vorbei…und dann war auch schon die Zielgasse zu sehen! Ich habe wie blöde jeden abgeklatscht, der seine Hand auf die Finishline rausgestreckt hat. Mit einem Grinsen wie ein Honigkuchenpferd bin ich über den legendärsten Ironman Teppich der Welt gelaufen. So euphorisiert habe ich total vergessen für schöne Finishlinebilder das doofe Knicklichthalsteil auszuziehen und die Cappy abzunehmen. In diesen 30 Sekunden Ruhm, wenn man über den Teppich auf den Zielbogen zuläuft, ist alles vergessen- man spürt nichts von der stundenlangen Schinderei, die man davor ertragen hat , man spürt keine Schmerzen, das Herz pulsiert und man spürt diesen Stolz, es wieder einmal geschafft zu haben! Ein weiteres Mal habe ich meinen Schweinehund besiegt und habe ihm gezeigt, dass ich stärker bin und dass ich auch Willensstärke besitze und dass ich auch Dinge zu Ende bringen kann, obwohl er mein innerer Schweinehund“  mir immer wieder mentale Steine in den Weg gelegt hat und seine „Hütte“ des Öfteren verlassen hat. Ich habe ihn in seine Hütte zurückgeschickt! Der Stolz und die Überwältigung waren in diesem Moment riesig. Und dann stand ich unter dem Finishlinebogen, den jeder Triathlet kennt und den ich all die Jahre davor nur aus dem Fernsehen bestaunen konnte.

Der Moment direkt nach dem Finish einer Langdistanz ist wohl einer der tiefsten und ehrlichsten Momente überhaupt und auch definitiv mit einer der stärksten Gründe, warum ich mich jedes Mal wieder für eine Langdistanz angemeldet habe. Als ich fertig war mit dem Tränchen verteilen und mir ein Volunteer-Pärchen die Hawaii Kette und das Handtuch umgelegt hatte, ging mein Weg straight zu der Medaillenvergabestation. „Ich habe noch nie so etwas Wunderschönes besessen, etwas so formvollendetes Unglaubliches! Wahnsinn!“

Gebraucht hatte ich insgesamt 12h17min und 56sek für die gesamte Distanz.

Danach nur noch kurz zum Duschen, zum Rad abholen, alle Glückwünsche und Umarmungen entgegennehmen! Den weiteren Teil nach dem Rennen erspare ich euch, nur noch so viel : Das Rad hoch zu unserem Autoparkplatz zu schieben war ein ziemlicher Akt, aber ohne das Rad zum Abstützen hätte ich es alternativ nur krabbelnd hoch geschafft. Leider hat ab diesem Zeitpunkt der Kreislauf vermehrt angefangen zu versagen und mir ist phasenweise extrem heiß, schwindelig und übel geworden. Ich musste mich immer schnell irgendwo hinlegen, bevor ich zusammengeklappt wäre. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an meinen persönlichen Windzufächerer Maxi! 😉 Wie alle angenommen haben, habe ich in dieser Nacht auch nicht wirklich viel geschlafen aufgrund der Kreislaufprobleme und den Schmerzen überall in meinem Körper….

Wie bei dieser Art von Sucht üblich, habe ich natürlich die ersten beiden Tage gesagt, dass ich nie wieder eine Langdistanz machen werde, aber schon am Dienstag danach war die Antwort auf die Frage, ob ich hier noch einmal starten wollen würde: JA!

Es ist ein unglaubliches Rennen mit vielen Höhen und Tiefen, letztendlich entschädigt die Finishline aber alle Tiefen und macht das Rennen zu dem wohl sagenumwobendsten Rennen der Triathlonszene!

Danke, dass ich diese besondere Erfahrung schon in so jungen Jahren machen durfte! Danke an alle, die mir diese Reise und Teilnahme ermöglicht haben, sei es durch finanzielle oder mentale Unterstützung 😉! Ein besonderer Dank geht natürlich wie immer an meine Eltern, an meine Trainerin Julia und an alle meine Freunde und Freundinnen, Bekannten, Verwandten und sonstigen Unterstützern!!!

DANKE !!!!!!!!!!!

Ein besonderer Dank gilt auch den zahlreichen freiwilligen Helfern, die teilweise extra nach Hawaii fliegen um komplett ohne Vergütung bei diesem riesigen Event zu helfen und es für die Athleten so zu etwas Unvergesslichem machen!
Eure Steffie

 

Advertisements

Ironman Wales 2017 – Road to Kona 2018!

IMG_9725

Nachdem es in Frankfurt mit der Hawaii-Quali leider nicht ganz geklappt hat, stellte sich danach natürlich die Frage, wie der Rest der Saison aussehen könnte. Ich hatte nur bis Frankfurt geplant und wollte eigentlich meinen zweiten Saisonwettkampf auf Hawaii absolvieren. Viel Zeit und Energie hatte ich bis dato investiert, die Entscheidung, einen zweiten Anlauf zu nehmen und die Quali zu holen fiel schnell, nur wo?

Zürich? – zu wenig Regenerationszeit

Hamburg,Kopenhagen, Kalmar? – ausverkauft

Wales? – mega schwere Strecke

Moment, WALES.
Da war sie, die perfekte Alternative. Kurzer Check: Flug München-Cardiff? Passt! Hotels? Gibt es noch ein paar! Mietwagen? Auch! Mache ich!

So ging es dann am 7.September los auf die Insel. Im Prinzip nichts besonderes, nur fahren die dort alle auf der falschen Seite 😉 und das Lenkrad im Auto ist auch nicht da, wo man es gewohnt ist. 😀 Mit doch etwas gewöhnungsbedürftigem Linksverkehr ging es dann noch die verbleibenden 140km mit dem Auto in die Nähe von Tenby.

Kurzer Radstreckencheck am Freitag:

Erster Eindruck: Sehr windig, keine flachen Abschnitte, enge Straßen, gefährliche, bei Nässe lebensgefährliche Abfahrten.

Die Laufstrecke habe ich nicht extra angeschaut, ein Blick aufs Höhenprofil genügte – 540hm auf 42,2km. So weit so gut, bzw. schwer ;), aber da müssen ja alle durch, zum Glück.

Am Samstag folgte nach einer kurzen Vorbelastung und der Feststellung, dass ein 808er Vorderrad eigentlich unfahrbar ist der Check-In. Leider hatte ich kein anderes Setup, ich musste also da durch. Meine Hoffnung war, dass der Wind langsam auffrischt und ich somit die Chance habe, mich langsam daran zu gewöhnen. Der Check-In funktionierte problemlos, sehr hilfsbereite und freundliche Volunteers.

Nun aber zum Renntag:

Schwimmstart als Rolling-Start um 7h früh, 2 Runden a 1,9km im ca. 16 Grad warmen 😉 Meer. Ich kam relativ gut weg uns sortierte mich gut ins Feld ein. Bis auf einen heftigen Schlag auf die Nase nach ca. 1,5km lief eigentlich alles nach Plan, mit meiner Zeit von 1:00:41h bin ich sehr zufrieden, da ich auf keinen Fall zu viele Körner verbrauchen wollte.

T1:
Der wohl härteste und längste erste Wechsel der Ironman-Tour: nach dem Ausstieg geht es zunächst auf ca. 200m 30hm bergauf vom Strand zur Promenade, um von dort weitere 700m durch den gesamten Ort bis zur Wechselzone zu laufen.

 

Dort angekommen habe ich, fragt mich nicht wieso 😉 , erstmal den Laufbeutel ausgekippt. Ich war sehr überrascht Laufschuhe statt Helm vor mir zu finden. :O Also alles schnell wieder einräumen und den darunter hängenden Beutel auskippen.

Schnell anziehen, ab aufs Rad.

Die Radstrecke mit ca. 2500hm und in diesem Jahr teilweise Windstärke 8 gilt als eine der schwersten Ironmanradstrecken, aber ehrlicherweise muss man auch erwähnen, dass es sicher die fairste ist. Absolut kein Windschattenfahren, null. Neben der Tatsache, dass es von Beginn an nicht warm war, hat es nach 60km angefangen aus Eimern zu schütten. Bei 12 Grad wurde das Rennen somit zu einem echten Überlebenskampf.

Nach 100km konnte ich das Rad kaum noch stabilisieren, habe gezittert und war vollkommen unterkühlt und kurz davor, das Rennen aufzugeben. Es war wirklich sehr gefährlich, v.a. da in den steilen und engen Abfahrten zu allem Überfluss auch noch jede Menge Öl auf der Straße war. Auf der zweiten Radrunde ist mir bei km 120 erst die Kette runter gesprungen, leider nach innen, was mich ein paar Minuten gekostet hat, aber v.a. jede Menge Nerven und Wärme. Es hat nach ca. 140km endlich wieder aufgehört zu regnen, warm ist es aber leider nicht mehr geworden. Als ob Kälte, Regen und Kettenpanne noch nicht genug waren, bin ich ca. bei km170 auch noch gestürzt. Enge Abfahrt, Öl, Kurve = Crash. Mit ca. 30km/h ging es in den Erdwall. Glücklicherweise konnte ich quasi direkt weiter fahren, nachdem ich den Lenker wieder gerade gebogen hatte. J Abschließend noch die letzten 10km zurück nach Tenby, endlich weg das Rad, „nur“ noch Laufen in der Hoffnung dass es endlich wärmer wird, gefühlt zumindest.

Laufen bedeutet in Wales ca. 43km mit 550hm.

Zu diesem Moment wusste ich, dass ich ca. 5min auf den 3. Platz Rückstand habe. Ich wollte mich zwar ungerne auf die Info verlassen, dass es 3 Slots geben sollte und hatte daher eigentlich fest den 2. Platz im Visier, aber wie immer gilt es, den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen.

Es hieß also:

Auf keinen Fall zu schnell loslaufen aber dennoch schnell aufholen. In der ersten Runde habe ich versucht möglichst gleichmäßig, auf keinen Fall aber zu schnell loszulaufen, dennoch aber bereits ein wenig Zeit gut zu machen. Umso frustrierender war der Zuruf nach 10km, dass sich der Rückstand um 30sec erhöht hat. Aber wer schon einmal einen Ironman gemacht hat, weiß, dass 5,5min auf den letzten 32km nicht viel sind. Es blieb mir nur übrig, an meine Laufstärke zu glauben und zu versuchen, irgendwie näher zu kommen.

Mit einem konstanten 10km Tempo von ca. 47:40min konnte ich auch die 2. Runde hinter mich bringen. Ich fühlte langsam, dass es, nach eher weniger Glück beim Radfahren, doch noch mein Tag werden könnte.

Ich konnte den AK.-3. Inzwischen an den Wendepunkten entgegenkommen sehen. Ein Blick ins Gesicht motivierte mich umso mehr, Finn sah zu diesem Zeitpunkt (ca. km 25) schon relativ müde aus. Nach der 3. Runde, ca. nach 32km waren es nur noch 3,5min. Das Gefühl war zwar auch bei mir nicht mehr das Beste, dafür war ich zu diesem Zeitpunkt absolut sicher, auch die letzten 10km noch mal in ca. 47:40min laufen zu können. Klar war, dass es ohne Qual auch dieses mal nicht geht; Aber die Quali ohne Qual, das wird eh nix. Es war für mich der mit Abstand der beste Moment des Rennens, als ich bei km 35 Finn überholen konnte und mich endlich auf den 3. AK-Platz verbessern konnte. Die letzten 7km wurden dadurch zwar nicht kürzer, aber die Gewissheit/Hoffnung auf einem Quali-Platz zu sein, verlieh mir zusätzliche Kraft. Abschließend ein letztes Mal durch Tenby an den vielen tausend Zuschauern vorbei zu laufen bevor es in den Zielkanal ging, war mein persönliches Highlight des Rennens. Tenby lebt Triathlon, die Stimmung in der Stadt und an der Strecke war unglaublich. Nach knapp unter 11h überquerte ich den Zielbogen und bin erstmal vollkommen erschöpft umgekippt. Die Bestätigung des 3. Platzes ließ nicht lange auf sich warten. Nun ging das gespannte Warten los. Wie viele Slots gibt es wirklich? Da diese ja von der tatsächlich am Sonntag Morgen gestarteten Athletenanzahl in der AK abhängt. Sonntag Abend um ca. 20h hat Steffie mir die offizielle Liste der Ironman-Seite geschickt. 3 Slots in der AK M18-24. Kona 2018 here we go. Nachdem ich in Frankfurt den Slot um 5min verpasst hatte, konnte ich mich nun freuen, bei meinem 5. Ironman endlich den lange ersehnten Startplatz für Hawaii zu bekommen. Ein unbeschreibliches und noch immer surreales Gefühl.

Ein riesen großes Dankeschön an meine Eltern, ohne die ich diesen Sport nicht ausüben könnte, meinem Coach Patrik, der mich wieder in Topform gebracht hat nach Frankfurt und natürlich Steffie, die immer an mich geglaubt hat und mich mit ihrem Slot umso mehr motiviert hat.

 

Idyllischer Halbmarathon mit Blick auf die Saalach

„Hast du Lust am Samstag in Bad Reichenhall einen Halbmarathon mitzulaufen?“ fragte mich ein Bekannter 4 Tage vor dem Event, da er durch eine Absage eines Freundes zufällig einen Startplatz für den Rupertus-Thermenlauf am 26.08.2017 zu verschenken hatte. Kurzerhand wurde mein geplanter längerer Trainingslauf im Rahmen dieser Veranstaltung absolviert. Meine Absicht ganz locker zu laufen schaffte ich aber dann doch nicht, da ich nicht als Letzte die Ziellinie überqueren wollte. Bei strahlendem Sonnenschein, über 30 Grad Lufttemperatur und einem gigantischen Berchtesgadener Bergpanorama lief ich die wunderschöne Strecke entlang des türkis-grünschimmernden Gebirgsbachs „Saalach“ entlang.

Im Nachhinein war der Lauf für meine Hawaii Vorbereitung eine sehr gute Idee, zum einen um an meiner mentalen Schwäche beim Laufen zu arbeiten und zum anderen ist Laufen unter Wettkampfatmosphäre doch etwas ganz anderes, als mal nur für sich nach Pace zu rennen.  Für diejenigen, die sich für die Veranstaltung interessieren, will ich hier kurz und knapp die Vor- und Nachteile (meiner Meinung nach ) der Veranstaltung und der Streckenführung aufzeigen, um euch die Entscheidung über eine Teilnahme zu erleichtern:

Vorteile:

+ Startgebühr ist im Vergleich zu anderen Laufveranstaltungen relativ günstig (20 Euro)

+ handgefertigte Medaillen aus Holz, eine super schöne, besondere Erinnerung an den Lauf

+ die Verpflegung nach dem Rennen ist super!

+ idyllische, abwechslungsreiche Laufstrecke

+ familiäre Atmosphäre vor, während und nach dem Lauf!!!

+ sehr gute Organisation und perfekter Ablauf durch ehrenamtliche Helfer und Vereinsmitglieder

+ die Duschen in der Rupertus-Therme dürfen kostenlos mitbenutzt werden

Nachteile:

– nur 4 Verpflegungsstationen auf 21km und bei Temperaturen wie am vergangenen Samstag! Schön wären 1-2 zusätzliche gewesen …

– an zwei Stellen war die Laufstrecke aufgrund von Wasser-Sprinkleranlagen auf mehreren Metern komplett geflutet; man hatte keine Chance den riesigen Pfützen auszuweichen, was zu komplett nassen und somit schweren Schuhen führte. Gut gemeint bei der Hitze, aber ohne Wasserablauf oder Ausweichmöglichkeit nicht so toll!

– an ein paar Stellen war die Laufstrecke sehr eng, sodass man nicht überholen konnte, sondern warten musste, bis die Strecke wieder breiter wurde

(-nachdem die Veranstaltung noch in den allgemeinen bayrischen Schulferien liegt, kommt es bei der An- und Abreise von auswärts zu längeren Staus)

Anzumerken ist noch, dass es nicht nur die Halbmarathonstrecke sondern auch noch einen zeitversetzten Kinderlauf und einen 5km bzw. 10km -Lauf gibt.

Also nächstes Jahr auf nach Bad Reichenhall!

Ironman Frankfurt oder: Welche ungeahnten Schmerzen man erlebt, wenn man den Marathon Laufen kann und nicht Gehen muss!

20133551_1552550974776279_93111949_o3:30h aufstehen, irgendwie frühstücken ohne Hunger, Sachen fertigmachen, ab zum Start…
Die Stunden vor dem Ironman sehen eigentlich immer gleich aus. Auch dass die Nacht vor dem Ironman durch Vieles, nur nicht Tiefschlaf und Ausschlafen geprägt ist, kennt jeder, der schon eine Langdistanz hinter sich hat, nur zu gut. In unserem Fall hatten wir dieses Mal das Pech, dass sich direkt auf der anderen Straßenseite, gegenüber des Hotels eine Bar befand, vor der die Gäste die Nacht zum Tag gemacht haben, mit erheblicher Lautstärke. Somit war die Nacht für mich bereits um 2:45h zu Ende. Überrascht hat mich allerdings, dass ich nicht nur relativ ausgeschlafen war, sondern meine Nervosität noch eher gering war. Zu diesem Moment erinnerte mich das stark an den Ironman Vichy;

→Keine Nervosität, keine Aufregung, keine gute Leistung….nur dieses mal sollte alles anders kommen.

Die Ziele waren entsprechend hochgesteckt, mit 2 Trainingslagern und deutlich über 300 Trainingsstunden ab Januar war das aber auch selbstverständlich. Einen kleinen Blick auf die Hawaii-Quali habe ich vor dem Rennen geworfen, auch wenn mir bewusst war, dass es sich mehr um einen Wusch denn um ein wirklich realistisches Ziel handelt.

Nun aber direkt zum Rennen:
Der Schwimmstart war für mich zum ersten Mal ein Rolling-Start bei einer Langdistanz. Die erste Runde lief ohne große Schlägereien ab, aber leider auch ohne Beine vor mir, also ohne Wasserschatten. Ich wollte aber auf keinen Fall zu viel Energie beim Schwimmen im Langener Waldsee lassen, daher entschied ich mich, lieber ein paar Sekunden zu verschenken. Erst gegen Ende der 2. Schwimmrunde, ca. nach 3km, hatte ich endlich jemanden vor mir, der geradeaus und in einem guten Tempo geschwommen ist.

Somit gab es wenigstens für die letzten Meter im Wasser etwas Erleichterung. Nach 58:30min war das Schwimmen für mich beendet. Im Nachhinein eine sehr gute Zeit, fühlte es sich zwischendurch doch eher nach einem einsamen und eher langsamen Schwimmen an.

Nach einem für meine Verhältnisse guten Wechsel ging es auf die 177km Rund um Frankfurt. Die Besonderheit der Strecke in Frankfurt liegt darin, dass es vom Langener Waldsee erst 13km Richtung Innenstadt geht, bevor die 2 Radrunden (je ca.82km) beginnen. Ich entschied mich früh, angesichts der vorhergesagten 32 Grad, auf dem Rad bewusst nicht ans Limit zu gehen. Dennoch beendete ich die erste Radrunde (ca. km 95) mit sehr gutem Gefühl und noch durchaus lockeren Beinen. Mit meiner Verpflegung war ich voll im Plan, nur wurde es langsam spürbar wärmer. In der zweiten Radrunde habe ich immer mal wieder jemanden eingesammelt, bis ich irgendwann auf eine größere Gruppe auffuhr. Es wurde, soweit möglich, fair gefahren und die Führungsarbeit wurde aufgeteilt. Nach ca. 160km signalisierte mein Körper erstmals den Wusch nach einer Pause, immer wieder hatte ich Krämpfe in den Oberschenkeln. Mir war klar, den Anstieg zum Heartbreak Hill muss ich irgendwie überstehen, danach habe ich das Radfahren überstanden. Ich versuche meine Oberschenkel vor dem letzten Anstieg noch soweit möglich zu lockern, was mir zwar nur bedingt gelang, jedoch ausreichend war, um den Heartbreak Hill zu erklimmen. Die letzten 10km Richtung Frankfurt konnte ich dann ganz gut bewältigen, wusste aber, dass der Marathon nicht leicht wird, so mal die Temperaturen inzwischen bei ca. 30 Grad lagen.

In T2 stand ich dann kurz vor der Frage: Kappe, ja oder nein?
Ich entschied mich für ja, weg werfen kann man das Ding ja immer noch. 😉
Nun war es also soweit. Bei meinem insgesamt 4. Ironman erreichte ich erstmals nach genau 6h T2, die Chancen auf ein gutes Resultat waren da, jedoch standen dem noch genau 42,2 kräftezehrende und heiße Laufkilometer entgegen. Ich lief plangemäß mit knapp unter 4:30/km an, wie immer fühlen sich die ersten Minuten in den Laufschuhen ja immer ganz gut an. Als ich nach 6km zum ersten Mal im Rennen Informationen zu meiner Zeit und Platzierung bekam, konnte ich kaum glauben, was mir da zugerufen wurde. AK Platz 3, auf 9:09h Kurs. Einerseits machte mich das im Moment unfassbar happy, da Hawaii doch relativ nah ist, andererseits stellte mich dies vor die Frage:

Alles riskieren für Kona, oder solide und sicher ins Ziel kommen?

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgegangen bin, dass es 2 Slots in der AK18-24 gibt, entschied ich mich sehr schnell für die erste Variante. Die ersten 10km waren nach genau 44min geschafft, ich fühlte mich relativ ok, hatte aber bereits ziemliche Schmerzen in den Oberschenkeln. Auf der zweiten Runde rief mir Rouven zu, dass ich inzwischen auf Platz 2 vorgelaufen bin, von hinten aber noch jemand kommt der deutlich schneller unterwegs ist als ich. Ich musste zwischenzeitlich wirklich die eine oder andere Glücksträne verkneifen, da ich virtuell auf einem geglaubten Hawaii-Platz lag. Somit war auf der zweiten Runde klar: Wenn ich den Platz halten will, muss ich weiterhin Gas geben. Mit inzwischen starken Schmerzen und wachsender Erschöpfung zeigte der Blick auf die Uhr nach 20km eine in dem Moment unfassbare 1:29h. Doch so schön das in diesem Moment war, so schnell war mir bewusst, dass nun noch qualvolle 22km bei immer größerer Hitze warten. Dennoch konnte ich mit dem Gedanken an Hawaii noch Energie mobilisieren und das Tempo hochhalten, wurde mir bei km22 und km26 nochmal der 2. AK Platz versichert. Die Euphorie fand allerdings schon 1000m später ihr abruptes Ende. Steffen, der spätere AK-Sieger, lief an mir vorbei. Nein, er sprintete. Jedenfalls wirkte er in diesem Moment so schnell und frisch, als hätte der Marathon gerade erst angefangen und er bisher keine 180 Radkilometer in den Beinen. Zwischenzeitlich auf Platz 3 zurückgefallen, musste der Plan also sein, den bisher Führenden noch einzuholen. Bei km 30 zeigte die Uhr 2:16h, eine noch immer sehr gute Zeit. Die Beine und Füße signalisierten inzwischen sehr stark den Wunsch nach Feierabend und Erholung. Doch 12km lagen ja noch vor mir. Neben nur noch schwer ertragbaren Schmerzen wurde mir auch langsam sehr sehr heiß, bei 32 Grad am Main keine Überraschung, klar.

Die letzten 12km waren ein innerer Countdown und Lauf von Verpflegungsstation zu Verpflegungstation, um möglichst etwas Iso zu trinken und unbedingt zu kühlen. Ohne die Motivation und ständige Anfeuerung auf der Strecke durch Rouven, Elfina, Sina und meinen Papa wäre ich wohl längst zum Gehen übergegangen oder hätte mir einen schattigen Sitzplatz gesucht. . So aber konnte ich die letzten 12km immer noch in knapp unter einer Stunde hinter mich bringen und durfte schließlich nach 4 Runden endlich in den Zielkanal auf den Römer abbiegen. Nach 9:15h (0:58:31 – 4:55:14 – 3:15:32) durchquerte ich vollkommen erschöpft aber mit einer neuen persönlichen Bestzeit überglücklich den Zielbogen. 🙂 Ich freute mich riesig darüber, endlich mal einen ganzen Ironman ohne größere Probleme absolviert zu haben, konnte mich aber aus eigener Kraft nicht mehr auf den Beinen halten. Nach ca. 2 liegenden Minuten im Zielbereich konnte ich ein paar Glückwünsche entgegennehmen, fragte aber zuerst nach meiner Platzierung. Es hat nur für den 3. Platz gereicht, nicht für Hawaii. Die Enttäuschung darüber war groß, ist jedoch bei der Siegerehrung wieder vergangen, da es, entgegen aller Erwartungen, nur einen einzigen Slot gab, den ich um 5min verpasst habe. Europameisterschafts-Dritter kann sich ja auch nicht jeder nennen. 😉

Nach einer halben Stunde im Medizinzelt auf einer Liege (meine Beine hatten komplett den Dienst quittiert) und einer kalten Dusche ging es zurück in den Zielbereich. Ich hatte zwischenzeitlich keine Info über Steffies Platzierung bekommen, daher ging es erstmal ans Handy um im Tracker zu schauen, wie es aussieht. Steffie war Führende in ihrer Altersklasse, aber der Vorsprung von einer knappen halben Stunde schmolz beim Laufen immer weiter dahin. So erwartete ich gespannt den Zieleinlauf, um mich dann nach 11h26min unglaublich über ihren EM-Titel freuen zu können. Auch Steffie brauchte einen kurzen „Ausflug“ ins Medizinzelt.

Klar ist es schade, dass es nicht für uns beide für Hawaii gereicht hat, aber ich habe unterwegs alles versucht und hätte keine Sekunde schneller gekonnt. Für Steffie geht es im Oktober nach Kona, mir bleibt der Traum, auch eines Tages auf Hawaii an der Startlinie stehen zu können.

Abschließend noch ein riesiges Dankeschön an alle, die dieses Rennen und diese Leistung ermöglicht haben! Vielen Dank an die Schwabengarage GmbH Stuttgart, Steffies Eltern Petra und Andi, meinen Papa, Rouven und Elfina die extra aus London angereist ist, Sina, auch wenn ich dein Plakat vollkommen übersehen habe 😉 und die unzähligen freiwilligen Helfer, die den Ironman Frankfurt zu einem wirklich geilen Rennen gemacht haben!

Ein letzter Dank geht an meinen Coach Patrik, der sich nach langen Arbeitstagen noch um mich gekümmert hat, immer an mich geglaubt hat und mich aus jeder Motivationskrise herausgerissen hat, die im Anflug war. Diese Leistung habe ich auch dir zu verdanken!

Ironman Frankfurt 2017– Klappe die Zweite / WORLDCHAMPIONSHIP HAWAII

Am 09.07.2017 habe ich in Frankfurt mein Ironman Triple vollendet – bei 32 Grad. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man darüber nachdenkt, dass ich mich mit 22 Jahren schon dreimal über diese insgesamt 226km „gequält“ habe. Vorab nur kurz die Info, dass ich an diesem besonderen Tag – und auch am Montag – von früh morgens bis abends von einem Kamerateam des Fernsehsenders ARD / hr  begleitet worden bin, die eine Dokumentation mit dem Titel „Mythos Hawaii“ gedreht haben.
Ich werde voraussichtlich am 07.10.2017 – also eine Woche vor dem Ironman auf Hawaii­­- in der ARD um 18Uhr zur Sportschau-Sendezeit mit Maxi zusammen neben Sebastian Kienle und Jan Frodeno zu sehen sein!!! Dort kann man sich dann nochmal ganz genau anschauen, wie es mir so wirklich während des Rennens ging und was ich aus Nervosität alles so erzählt habe 😉.

Jetzt aber zu meinem Rennbericht:

Das Prozedere in der Früh ist immer dasselbe: Man sucht seine restlichen Sachen zusammen, zieht die Wettkampfkleidung an und versucht zu frühstücken. Mit einem Kameramann, der jeden Bissen filmt, gestaltet sich das natürlich nochmal unangenehmer! (Ich bin gespannt, was davon dann am Ende gezeigt wird). Mit dem Shuttlebus ging es dann vom Intercontinental Hotel zum Langener Waldsee, wo das Rad vorbereitet wurde, bevor es dann auch schon kurz auf die Toilette und zum Umziehen ging. Die Wassertemperatur lag bei 24,1 Grad und somit durfte, gegen alle Erwartungen, mit Neopren geschwommen werden. Um 6:30Uhr fiel dann der Startschuss für die Profis, und kurz danach hieß es auch endlich für uns: Ihr dürft zeigen wofür ihr das ganze letzte Jahr trainiert habt! Ich hatte mich bei der „knapp unter einer Stunde Schwimmzeitgruppe“ mit Maxi eingeordnet, da ich versuchen wollte nach 59 Minuten aus dem Wasser zu steigen. Tja, letztendlich empfand ich es als ein relativ lockeres Schwimmen, was mich schon daran zweifeln ließ, ob das mit der geplanten Schwimmzeit wirklich so geklappt hatte. Während des Schwimmens habe ich mich aber einfach auf den Rest der Schwimmgruppe verlassen und dass sie mich schon in ihrem Tempo mitziehen würden. So kam ich nach 1h01min59sek raus und war in guter Verfassung. Den Weg hoch zur Wechselzone habe ich genutzt, um in Ruhe meinen Einteiler oben herum anzuziehen.

Und schon war auch schon Teil 1 von drei abgehackt. Jetzt ging es an die Radstrecke, der Grund, warum ich genau dort in Frankfurt noch einmal an der Startlinie stehen wollte. Beim Radfahren letztes Jahr ist einiges schiefgelaufen und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich eine bessere Radfahrerin bin als diese Zeit vom letzten Jahr (5h56min). Die erste Runde lief prima und ich war sowohl in den Beinen als auch mental noch super fit für die zweite und letzte Radrunde. Die Radstrecke war dieses Jahr aufgrund einer Baustelle zum Glück nochmal drei Kilometer kürzer, und so konnte ich meine erhoffte Zeit gerade so noch einhalten und stieg nach 5h29min mit leider zunehmenden Bauchschmerzen, aber gut gekühlt vom Rad. Man lernt ja aus seinen Fehlern ….Die Lust auf den anschließenden Marathon hielt sich jedoch stark in Grenzen. Wie ich dem Kamerateam im kurzen Interview in der 2.Wechselzone auch gesagt habe: Ein 10km Läufchen hintendrauf wäre ganz schön oder maximal 20km aber 42,2 km müssen jetzt echt nicht noch sein……Das Thermometer war inzwischen auf 33 Grad angestiegen.

Euphorisiert von meinen Leuten entlang des Mains, die zum Anfeuern da waren, lief die erste Runde super und ich war optimistisch, meine geplante Marathonzeit einhalten zu können, da ich mir schon in der ersten Runde mir einen kleinen Puffer erlaufen hatte. Viele denken jetzt natürlich gleich, dass ich wahrscheinlich zu schnell angelaufen bin und es deswegen bergab ging ab der zweiten Runde im Marathon. Dem war aber nicht so, es war nicht so, dass ich nicht schneller hätte von den Beinen herlaufen können. Es war eher eine Kopfsache und die Magenprobleme haben ihren Rest getan. Ab km 18 habe ich angefangen an den Verpflegungsstationen zu gehen. Das Anlaufen war mental der Horror und irgendwann habe ich es gar nicht mehr wirklich geschafft, erst wenn wieder ein bekanntes Gesicht am Rand mir Mut zugesprochen hatte, konnte ich wieder ein wenig weiterlaufen. Leider war ich durch das „schnellere Gehen“ ab Ende der zweiten Runde natürlich auch immer deutlich länger der Sonne und den mittlerweile 34 Grad ausgesetzt, was mir dann nach dem Überschreiten der Ziellinie auch zum Verhängnis wurde. Davor möchte ich aber noch kurz erzählen, wen ich auf der Laufstrecke kennengelernt habe: Seine Startnummer war die 223 und sein Name Miguel. Ohne ihn wäre die Marathonzeit bestimmt noch langsamer geworden, falls das überhaupt möglich ist. Miguel hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich und ist eine unfassbar inspirierende Person. Auch er war fertig und wir haben uns jedes Mal gegenseitig wieder ein Stück psychisch „gezogen“, und wie man so schön sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wer Miguel nun auch gerne näher kennen lernen möchte, kann seine Seite besuchen mit dem Titel: „Gegen jede Prognose“ oder sich gleich sein Buch kaufen! Das ist das Unglaubliche, was man erlebt, wenn man im Ironman hinten raus stirbt: Man trifft tolle Menschen und merkt, dass man mit seinem Leiden nicht alleine ist. Die letzten Kilometer meines Marathons kamen rechts leider auch wieder ein wenig Knieschmerzen dazu, sonst wäre ich so motiviert von Miguel die letzte Runde bestimmt nochmal gelaufen. (Und hätte ihn natürlich auch nochmal in den „Po“ getreten)

Die letzten Kilometer haben wir uns trotz Schmerzen beide nochmal zusammengerissen und sind gemeinsam in den Zielkanal gelaufen. Die letzten Meter habe ich dann noch einen Sprint hingelegt, um das Ganze endlich zu beenden. Im Zielbogen habe ich es noch geschafft die Arme fürs Fernsehen hoch zu reißen, bevor sich dann auch schon mein Kreislauf verabschiedet hat und ich links neben den Zielbogen gekippt bin. Lustig ist, dass ich während ich schon am Zusammenklappen war, noch versucht habe die Garmin zu stoppen, wovon es ein leider sehr unscharfes Bild gibt. Letztendlich hatte ich es aber nicht geschafft gehabt auf Stopp zu drücken, wie ich später, als ich wieder im medizinischen Versorgungszelt zu mir kam, feststellen musste. Ich weiß nicht mehr genau wie ich zu Boden gegangen bin. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich kaum mehr Luft bekommen habe, und dann von mehreren Leuten auf eine Bahre gehoben wurde und von dort weggetragen wurde. Letztendlich war es einfach der Kreislauf, die allgemeine Erschöpfung und dieses erleichterte Gefühl nicht mehr weiter laufen zu müssen, das mich und meinen Körper so geschafft hat. Als dann kurze Zeit später alle Tränen von mir und von allen anderen, die sich natürlich Sorgen gemacht hatten, getrocknet waren, hat Maxi auf seinem Handy die Ergebnisliste gecheckt. Zu meinem Erstaunen versicherte er mir, dass ich meine Altersklasse gewonnen hatte- um ganze 6 Minuten! Zuerst dachte ich, dass mir das nur so gesagt wurde, um mich wieder fitter / vitaler zu bekommen. Mit dem eigenen Handy habe ich das Ganze dann nochmal überprüft. Es war tatsächlich wahr!

Ich hatte tatsächlich meine Altersklasse gewonnen, einfach unglaublich. Es hat mehrere Stunden gedauert bis ich es wirklich vollständig realisiert hatte- aber so geht es wahrscheinlich jedem. 😊 Stolz war ich in dem Moment keinesfalls auf mich, sondern auf Maxi der ein unglaubliches Rennen und so eine affengeile Performance hingelegt hatte, dass ich darüber fast gerührter war als über alles Andere.

Den kompletten Sonntagabend und auch den kompletten Montagvormittag haben meine Eltern und ich damit verbracht abzuwägen, ob ich den Slot für die Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii annehmen soll oder nicht- schließlich beträgt alleine die Startgebühr für dieses Rennen 999 USD.

Letztendlich hat aber nicht der Verstand entschieden, sondern das Herz: Wer weiß ,wann ich nochmal die Chance bekomme bei dem legendärsten Triathlon der Welt zu starten.
Das heißt:

 

KAILUA KONA, HAWAII ICH KOMME!!!

 

An dieser Stelle möchte ich noch Danke sagen- denn, klar man muss die Leistung selber bringen, aber ohne die Helfer dort vor Ort und die Leute, die an der Strecke stehen und anfeuern oder dich im Vorfeld unterstützen- ohne eure Unterstützung wäre ich nie soweit gekommen!

Also Danke an alle freiwilligen Helfer! Danke an Kiwami Deutschland für den Hammer Einteiler! Danke an Kintex Tapes! Danke an die Schwabengarage GmbH Stuttgart für das Hammer- Auto, welches das Räder einladen und nach Frankfurt fahren so viel einfacher und angenehmer gestaltet hat! Danke an Domi für meine erste Bodenmessage in einem Ironman! Danke an Rouven, Elfina, Flo, Matthias, Ann-Kathrin und die vielen anderen die mich vor Ort angefeuert haben! Vor allem Danke auch an meine Freundinnen Nina und Vicky, die das erste Mal bei einem Ironman zugeschaut und angefeuert haben! Das Wissen, dass ich so viele tolle Leute an der Laufstrecke sehen werde, hat mich mental beim Radfahren deutlich beflügelt. Ein weiterer besonderer Dank geht auch an Sina und ihre Familie! Durch dich Sina hatte ich beim Radfahren mein erstes Plakat, nachdem ich die ganze Zeit Ausschau gehalten habe, was mich natürlich auch von den Strapazen abgelenkt hat! Und Danke auch an Julia, meine Trainerin, die mich überhaupt zu solchen Leistungen fähig gemacht hat!

 

Das wohl größte Dankeschön geht an meine Eltern, die den ganzen Triathlon/ Ironman-Zirkus ohne Murren und Meckern mitmachen und selber nervlich meistens genauso am Ende sind wie ich! Ohne sie wäre neben dem Wettkampf auch das Training nicht so gut gelaufen wie es ist. Meine Mama ist mittlerweile professionelle Laufbegleiterin auf dem Rad und alle, die mir beim Laufen im Training entgegengekommen sind, haben immer neidisch geschaut, wenn sie meine Begleitung mit dem Wasser zum Kühlen im Fahrradkorb gesehen haben.

Nach einer ziemlichen Tiefphase und Ängsten aufgrund eines Vorfalls beim Radfahren ab Anfang April, haben die beiden sich auch wieder aufs Rennrad geschwungen und mich, soweit es ihnen möglich war, begleitet, damit ich nicht alleine fahren muss.

Meine Dankbarkeit hierfür lässt sich nicht in Worte fassen!!!

Bayerische Meisterschaft über die Mitteldistanz – Triathlon Ingolstadt

Eine Mitteldistanz, eine Olympische und gleichzeitig eine Sprintdistanz an einem Tag am gleichen Ort nur zeitversetzt austragen? Kein Problem, ist die Devise der Veranstalter des Ingolstadt Triathlons. Meiner Meinung nach braucht es das nicht und die Athleten leiden eher darunter, dass hier versucht wird eine Massenveranstaltung zu inszenieren, als dass sie davon profitieren. Auch sind die Wege, die man dort auf dem Seegelände zurücklegen muss auch nicht außer Acht zu lassen! Heißt hier ist nichts mit schnell mal noch zum Auto zurück, weil man was vergessen hat oder so.

Der Wettkampf dort hat aber natürlich auch einige Vorzüge aufzuweisen, sonst hätte ich mich bei meiner Saisonplanung nicht für ihn entschieden. Bevor ich auf meinen Rennbericht zu sprechen komme, möchte ich auch ganz kurz noch auf die Vorteile eingehen, da diese ja für Euch einen Mehrwert darstellen und ihr so von meinen bzw. unseren Erfahrungen profitieren könnt.

 

Weiterlesen

Tannheimer Seen-Lauf 2017

Am 20.05. war es nach 4 Jahren endlich mal wieder so weit, ich konnte zum zweiten Mal nach 2013 beim Tannheimer Seenlauf an den Start gehen. In den letzten Jahren fiel der Termin immer entweder auf ein Ironman Wochenende oder auf das direkt danach, dieses Jahr jedoch perfekt in meine Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt.

Natürlich stellt Ihr euch jetzt die Frage, warum ausgerechnet der Tannheimer Seenlauf? Und wo ist der überhaupt?

Der Tannheimer Seenlauf ist eine kleine aber feine Laufverantstaltung in wunderschöner Natur im Tannheimer Tal, Österreich. Neben einem Schülerlauf wird ein 10km Lauf und ein 22,7km Lauf angeboten, mit der Besonderheit, dass beide Strecken jede Menge Höhenmeter aufweisen. In meinem Fall waren es etwas über 300 auf der 22,7km Strecke.

2013 konnte ich mit einer Zeit von knapp über 1:42h die AK19 gewinnen, das Ziel für meinen 2. Start war, möglichst eine TOP-10 Platzierung zu erreichen und natürlich auch meine Zeit zu verbessern.

 

Zum Rennen:

Neben der sehr stark profilierten Strecke ist es wichtig zu erwähnen, dass ca. 240 der 300hm auf den ersten 10km liegen, es bedarf also eine sehr guten Renneinteilung, um das Rennen nicht mit einem langen Spaziergang zu beenden 😉 .

 

Die Strecke führt von Tannheim aus zum Vilsalpsee, von dort zurück bis kurz vor Tannheim, anschließend einmal um den Haldensee herum und zurück zum Start. Auf den ersten 14km der landschaftlich wunderschönen aber auch wahnsinnig anstrengenden Strecke konnte ich zusammen mit Maurizio, einem italienischen Trailläufer, sehr gut und schnell zusammen laufen, mit dem kleinen aber feinen Unterschied dass er deutliche Gewichtsvorteile hatte und v.a. bergab, auf den Trails und Wanderwegen, einfach deutlich weniger Körpergewicht abbremsen musste. Leider konnte ich auf den letzten, überwiegend flachen 8km den Anschluss nicht mehr halten und musste dann alleine weiter ins Ziel laufen. Mit meiner Zeit von 1:26:34h bin ich mehr als zufrieden, auch wenn 8 Läufer schneller waren 😉 .

Ich kann euch das Event auf jeden Fall empfehlen, denn neben der familiären Athmosphäre und der wirklich super schönen Landschaft findet ihr hier auch eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Strecke vor 🙂 .

Sportliche Grüße

Maximilian